„Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.“
So begann es – und so begann auch für die Q3 der Gang in ein Theater am 18.12, das weniger ein Ort der Aufführung war als ein Raum der Verunsicherung. Dort, wo Stimmen aus dem Halbdunkel sprachen und Gesten mehr andeuteten als erklärten, wurde Der Process nicht gezeigt, sondern vollzogen.
Die Schülerinnen und Schüler sahen sich einer Welt gegenüber, in der Ordnung behauptet, aber nie erklärt wird, in der Fragen gestellt werden, ohne Antworten zuzulassen, und in der der Einzelne immer schon zu spät zu sein scheint. Was auf der Bühne geschah, entzog sich der Eindeutigkeit – und gerade darin lag seine Nähe zu Kafka.
So verließ die Q3 das Theater nicht mit Gewissheiten, sondern mit einer leisen Unruhe, die noch anhält. Und vielleicht ist dies das Angemessenste, was man von einer Begegnung mit Kafka erwarten darf.



